Melk ist eine lebenswerte Gemeinde, flächenmäßig nicht besonders groß. Während die Zahl der hier lebenden Menschen wächst, bleibt die verfügbare Fläche gleich. Wer sich im Alltag innerhalb von Melk bewegt, hat fast ausschließlich kurze Strecken zu bewältigen. In dieser „Kleinheit“ liegen auch große Chancen für eine kompakte, menschengerechte und zukunftsfite Stadtentwicklung. Doch was bedeutet das für das Melker Zentrum als Einkaufsort?

Die Stärken unseres Zentrums liegen in einem hochwertigen Einkaufserlebnis. Hier gibt es schon einen Startvorteil, den es weiterhin zu nutzen gilt. Denn aufgrund des weltweit einzigartigen Ambientes liegt ein Grundpotential wortwörtlich auf der Straße, wobei das baukulturelle Erbe alleine keinesfalls für eine erfolgreiche Innenstadt genügen würde. Hinzu kommen beispielsweise noch ein guter Branchenmix, innovative Geschäftsleute, die auch untereinander die Kooperation suchen und auch einen serviceorientierten Kundenumgang pflegen. Auch die kompakte Gemeindestruktur ist aufgrund möglicher Erreichbarkeiten ein Erfolgsfaktor, der künftig stärker als bisher genutzt werden könnte.

Mehr Platz für Menschen ist gleich mehr Lebensqualität

Denn gerade im Zentrum ist der öffentliche Raum ein begrenztes und daher gesellschaftlich kostbares Gut, wo sich viele Nutzungen abspielen. Der verfügbare Platz wird jedoch nicht mehr und so muss dieser vorrausschauend weiterentwickelt sowie klug und „gerecht“ verteilt werden. Doch wie kann das gelingen? Ein häufig genannter Vorschlag klingt dabei fast wie ein Zaubertrick: ein lebloser, tonnenschwerer Gegenstand (allgemeinhin als „Auto“ bekannt) soll angeblich massiv dazu beitragen können, die Innenstadt noch lebendiger zu machen, wenn man ihn nur in größerer Zahl herumstehen lässt. Studien haben ergeben, dass Geschäftsleute den Anteil ihrer Kunden, die mit dem Auto einkaufen kommen, in der Regel überschätzen. Gleichzeitig unterschätzen sie den Anteil und somit auch die wirtschaftliche Bedeutung jener Kunden, die zu Fuß oder mit dem Rad kommen. Angesichts des zu erwarteten Bevölkerungswachstums stellt sich somit die grundsätzliche Frage, wie viel Platz und Zukunftsnutzungen wir uns alle zusammen künftig verparken wollen? Die Formel „Mehr Autos ist gleich mehr Leben“ weist dabei nicht nur inhaltliche, sondern auch mathematische Grenzen auf: Ein Kfz-Parkplatz umfasst eine Fläche von zumindest 10 m². Wenn in Melk fünf Autos gleichzeitig mehr in der Stadt parken würden, wären 50 m², also die Fläche einer Zwei-Zimmer-Wohnung, für andere Nutzungen dauerhaft blockiert. Bei 50 zusätzlichen Autos mehr, wären es schon 500 m² und so weiter. So beansprucht ein Auto beim Parken den Platz eines neuen Stadtbaums oder von zehn Rad-Abstellanlagen (oder umgerechnet 10 potenziellen Kunden). Es könnten stattdessen auch neue Grünflächen, Sitzbänke, Spielflächen für Kinder und vieles mehr errichtet werden, was zu einer nachhaltigen Belebung beiträgt. Es muss daher die Logik angewandt werden: „Mehr Platz für Menschen ist gleich mehr Leben“.

Öfter mal den kurzen Weg in die Stadt gehen oder mit dem Rad fahren

Lasst uns unser persönlichen Mobilitätsverhalten neu denken – öfter mal den kurzen Weg in die Stadt gehen oder mit dem Rad fahren! Der Fokus wird sich angesichts der begrenzten Fläche und der wachsenden Bevölkerungszahl verlagern müssen – weg vom motorisierten Individualverkehr zu anderer Mobilitätsformen wie Radfahren, Gehen, Car-Sharing, Anrufsammeltaxi-Systeme oder sonstige alternative Mobilitätsformen. Bestimmte Gruppen, wie z.B. physisch eingeschränkte Personen, ältere Menschen, Kinder oder Eltern mit Kinderwägen, müssen dabei besondere Berücksichtigung finden, um Mobilität für alle sicherzustellen. Eine gerechte Verteilung des öffentlichen Raums sowie ein zukunftsfähiges Mobilitätsverhalten erhöht die städtische Lebensqualität für alle, ist städtebaulich, ökologisch, sozial und auch wirtschaftlich nicht nur notwendig, sondern auch sinnvoll. Denn Melk wächst, wird aber nicht größer!

Print Friendly, PDF & Email
Melk wächst, wird aber nicht größer!
Markiert in: