(25.7.2019). Auf der Rollfährenstraße sind zu 76 % Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Das ergab die Verkehrszählung der Radlobby Melk. Die Radlobby Melk fordert, den Neubau der Rollfährenstraße entsprechend den tatsächlichen Nutzermengen zu planen.

 Die Stadtgemeinde Melk hat den Umbau der Rollfährestraße, dem touristischen Hotspot in Melk, fertig geplant, ohne zu erheben, wer und in welchen Mengen, hier tatsächlich unterwegs ist. Nun hat die Radlobby Melk den Verkehr auf der Straße zwischen Donau und Hubbrücke gezählt.

Die Rollfährestraße, die Straße zwischen Hubbrücke und Donau, erfüllt mehrere Funktionen: sie erschließt das Naherholungsgebiet Donau-Au für die Melker Bevölkerung, hier führt der Donauradweg durch, den österreichweit über 450.000 Radtouristen jährlich befahren. Die Touristen der Donaukreuzfahrt-Schiffe gehen hier zu Fuß in Stadt und Stift oder werden mit Bussen abgeholt.

Nun baut die Stadtgemeinde Melk die Rollfährenstraße massiv aus, verdoppelt die Breite von derzeit 5 Meter auf teilweise über 10 Meter. Die Pläne sind fertig – ab November 2019 wird gebaut.

Fußgänger und Radfahrer zählen!

Die Stadtgemeinde hat laut eigener Aussage vor Beauftragung des Planungsbüros keine Zählung der tatsächlichen Verkehrsmenge – wieviele Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse hier unterwegs sind – durchgeführt oder beauftragt. Das hat die Radlobby Melk jetzt nachgeholt. Und kam zu erstaunlichen Ergebnissen:

Durchschnittliche 2.150 Bewegungen pro Tag wurden gezählt – zu 76 % prägen Fußgänger und Radfahrer das Bild. Nur 19 % waren Pkw, 4 % waren Busse. Und es bestätigte sich die Vermutung: Die aktuelle Planung trägt bei der Raumverteilung diesen Mengenverhältnissen in keiner Weise Rechnung.

450 m2 Asphalt für 4 Busse täglich

Besonders krass zeigt das Auseinanderklaffen von Planung und Realität der geplante „Bus-Wendekreis“ unmittelbar vor der Hubbrücke: hier soll mittig vor Hubbrücke und Eingang Festzelt ein Asphaltkreis von 24 m Durchmesser und 450 m2 Fläche auf die Straße und weit in die Wiese hinein asphaltiert werden. Für 1 bis 4 Busse, die pro Tag hierher fahren! Der 2,5 m schmale Geh-/Radweg für die rund 1.500 Fußgänger und Radfahrer täglich wird im Bogen um den Wendekreis herum geführt.

Keine neue Gefahrenstelle schaffen!

„Unverständlich ist auch die geplante Geh-/Radwegführung im Bereich Kreuzung zur Autobrücke: hier wechselt der Geh-/Radweg plötzlich auf die andere Straßenseite – die 1.500 Fußgänger und Radfahrer werden hier quer über die Autospur geschickt und damit jede Menge neues Gefahrenpotenzial geschaffen. Auf einer geraden Straße wird hier eine gefährliche Schikane geschaffen“, schüttelt Christian Höller von der Radlobby Melk den Kopf, „überall sonst werden am Donauradweg solche Konfliktstellen beseitigt, in Melk wird sie neu gebaut.“

Bitte zurück zu den Fakten!

Die Radlobby fordert eine Versachlichung der Diskussion anhand der vorliegenden Zählergebnisse, ein Überdenken der Planung und eine Neuplanung die der tatsächlichen Menge an Fußgängern und Radfahrern gerecht wird. Und keine unnötigen neuen Asphaltflächen im Naherholungs- und Natura 2000-Gebiet versiegelt. „Die Verkehrszählung der Radlobby zeigt, die Planung für den Ausbau der Rollfährestraße nimmt zu wenig Rücksicht auf den tatsächlichen Verkehr auf dieser Straße.“ Die Radlobby appelliert daher dringend an die Stadtgemeinde diese Planung nochmals anhand der tatsächlichen Verkehrsmengen neu zu machen und auch die Melker Bevölkerung auf Augenhöhe einzubeziehen.

Das Argument der Stadtgemeinde, mit dem sie den autoorientierten Ausbau rechtfertigt, ist, dass die Verlegung der Linienschifffahrt raus an die Donau 30.000 Pkw mehr im Jahr dort bringen wird. „Das ändert gar nichts am Missverhältnis, denn das sind 180 Pkw mehr pro Tag Linienschifffahrt – das erhöht den Anteil der Pkw gerade mal um 6 Prozentpunkte, von 19 auf 25 %, und ändert nicht, dass auf der Rollfährenstraße zu über 70 % Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind und eine zeitgemäße Verkehrsplanung daran auszurichten ist,“ rechnet die Radlobby vor.

Die Zahlen im Detail:

Gezählt wurde an einem Sonntag (30.6.) und einem Wochentag (Do. 18.7.), jeweils 12 Stunden, von 8 bis 20 Uhr. 18 Personen aus Melk haben sich an der Zählung beteiligt und diese damit erst möglich gemacht.

Verkehrszählung Rollfährenstraße – Zahlen:

Verkehrszählung 2-Tage-Durschschnitt aus So. 30.6. & Do. 18.7. 2019:

Ergebnis – Gesamt-SUMME: 2150 Bewegungen

Fußgänger/innen:  801 (37 % = 67 pro Stunde)

Fahrrad: 826 (38 % = 69 pro Stunde)

Pkw (inkl. Klein-Lkw): 403 (19 % = 34 pro Stunde )

Busse: 85 (4 % = 7 pro Stunde)

Motorräder/-roller: 24 (1 % = 2 pro Stunde)

Lkw (vor allem Gemeinde-Klein-Lkw): 11 (0,5 % = fast 1 pro Stunde)

  1. Zähltag: Verkehrszählung So. 30.6. 2019:

Ergebnis – Gesamt-SUMME: 1.807 Bewegungen

Fußgänger/innen: 786 (= 44 % = 66 pro Stunde)

Fahrrad: 585 (= 32,4 % = 49 pro Stunde)

Pkw (inkl. Klein-Lkw): 335 (= 19 % = 28 pro Stunde)

Busse: 64 (3,5 % = 5 pro Stunde)

Motorräder/-roller: 37 (2 % = 3 pro Stunde)

Lkw: keine

 

  1. Zähltag: Verkehrszählung Do. 18.7. 2019:

Ergebnis – Gesamt-SUMME: 2492 Bewegungen

Fußgänger/innen:  817 (33% der Bewegungen = 68 pro Stunde)

Fahrrad: 1066 (43 % = 89 pro Stunde)

Pkw (inkl. Klein-Lkw): 470 (19 % = 39 pro Stunde )

Busse: 106 (4 % = 9 pro Stunde)

Motorräder/-roller: 11 (0,4 %)

Lkw (vor allem Gemeinde-Klein-Lkw): 22 (0,9 %)

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Verkehrszählung in Melk: Zu 76 % Fußgänger- und Radverkehr auf der Rollfährestraße
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