900 Teilnehmende bei Kidical Masses in Niederösterreich

(Niederösterreich/Herbst 2026)

Eine Befragung in St. Pölten zeigt: Deutlich mehr Kinder möchten gerne mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Die Kidical Masses machen sichtbar, wie groß der Wunsch nach kindgerechter Mobilität ist. Jetzt braucht es sichere Radwege, damit aus diesem Wunsch Alltag werden kann.

Allein im Herbst sind mehr als 900 Teilnehmende bei den Kidical Masses in Niederösterreich mit geradelt. Bei den bunten Fahrraddemonstrationen eroberten Kinder und Familien gemeinsam die Straßen und setzten ein starkes Zeichen für eine kinderfreundliche Verkehrspolitik. Die Botschaft ist klar: Kinder wollen Rad fahren. Damit sie das selbstständig und sicher tun können, braucht es allerdings die passenden Rahmenbedingungen.

Kinder wollen Rad fahren

Wie groß das Potenzial für mehr Radverkehr ist, zeigen aktuelle Ergebnisse einer Befragung von Schülerinnen und Schülern der Unterstufen/Mittelschulen in St. Pölten, der Landeshauptstadt Niederösterreichs. Die Untersuchung wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts ACTIVATE von Juliane Stark, Reinhard Hössinger und Tobias Dürhammer vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt.

Die ersten Ergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen dem tatsächlichen Mobilitätsverhalten und den Wünschen der Kinder: Nur 8 Prozent fahren mit dem Fahrrad zur Schule, 21 Prozent würden das gerne tun. Damit ist der Anteil der Kinder, die gerne mit dem Rad zur Schule fahren würden, fast dreimal so hoch wie jener, der es tatsächlich tut.

Auch in der Freizeit zeigt sich dieses Potenzial: Während 20 Prozent der Kinder mit dem Fahrrad unterwegs sind, wünschen sich 27 Prozent, häufiger Rad zu fahren.

Die Ergebnisse machen deutlich: Das Interesse am Radfahren ist vorhanden. Die entscheidende Frage ist, wie Kinder ihre Mobilitätswünsche auch tatsächlich umsetzen können.

Hier geht es zu den Ergebnissen der Befraung: [„Aktiv unterwegs in St. Pölten!?“ – BOKU University, ausgewählte Ergebnisse der ersten Erhebungswelle 2026]

Rad fahren hat ein positives Image

Die Befragung zeigt auch, dass das Fahrrad bei den Kindern ein besonders gutes Image hat. Es wird als gesund, umweltfreundlich und mit Spaß verbunden wahrgenommen. Trotzdem bleibt der Anteil jener, die tatsächlich mit dem Rad zur Schule fahren, vergleichsweise gering.

Das wirft eine zentrale Frage auf: Was hindert Kinder daran, ein Verkehrsmittel zu nutzen, das sie eigentlich gerne verwenden würden?

Ein wichtiger Ansatzpunkt sind die Bedingungen im Straßenverkehr. Kinder brauchen Radwege, auf denen sie sich sicher fühlen, die ausreichend Platz bieten und die ihre alltäglichen Wege miteinander verbinden. Ein Radweg, der plötzlich endet, eine unübersichtliche Kreuzung oder eine stark befahrene Straße können darüber entscheiden, ob Eltern ihren Kindern das Radfahren zutrauen.

Ein kinderfreundliches Radverkehrsnetz muss deshalb mehr bieten als einzelne sichere Streckenabschnitte. Es braucht durchgängige Verbindungen zwischen Wohngebieten, Schulen, Freizeitangeboten und öffentlichen Verkehrsmitteln – auch über Gemeindegrenzen hinweg.Kinder wollen Rad fahren

Was es jetzt braucht

Die Ergebnisse der Befragung und die hohe Beteiligung an den Kidical Masses zeigen in dieselbe Richtung: Kinder möchten aktiv mobil sein. Damit dieser Wunsch Wirklichkeit wird, müssen ihre Bedürfnisse bei der Verkehrsplanung stärker berücksichtigt werden.

Dazu gehören eine sichere und durchgängige Radinfrastruktur, kindgerechte Fahrräder, Bewusstseinsbildung und Mobilitätsbildung sowie eine kontinuierliche Beobachtung der Entwicklungen. Auch der österreichische Aktionsplan Radfahren für Kinder greift diese Handlungsfelder auf.

Wer Kindern ermöglicht, sicher mit dem Rad unterwegs zu sein, schafft nicht nur mehr Bewegungsfreiheit für junge Menschen. Es entstehen auch Chancen für mehr Selbstständigkeit, Gesundheit und klimafreundliche Mobilität.

Die Botschaft aus Niederösterreich ist daher eindeutig: Kinder müssen nicht erst für das Radfahren begeistert werden. Sie brauchen sichere Wege, auf denen sie ihre Begeisterung ausleben können.

 

Kinder wollen Rad fahren!
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