Die Sicherheit von Radfahrenden und Gehenden verdient besondere Aufmerksamkeit. Auf Niederösterreichs Landesstraßen wurden in den Jahren 2020 bis 2024 insgesamt 22 Radfahrende getötet und 916 schwer verletzt. Besonders auffällig dabei: Alle diese tödlichen und schweren Unfälle ereigneten sich auf Strecken, ohne gesonderter Radverkehrsanlage – also weder mit Radweg noch Radfahrstreifen oder Mehrzwecksteifen. In den Jahren 2021 bis 2024 wurden in Niederösterreich in Summe nur rund 140 km Radfahranlagen im Nahbereich von Landesstraßen neu errichtet. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die Verkehrssicherheit für aktiv mobile Menschen weiter zu verbessern und sichere Infrastruktur dort zu schaffen, wo sie besonders dringend benötigt wird.

Geplante Radprojekte bis 2030

Bis zum Jahr 2030 sind für folgende Radwegprojekte Unterstützungen seitens des Landes NÖ geplant:

  • ein bahnparalleler Radschnellwegkorridor entlang des geplanten viergleisigen Ausbaus der ÖBB-Strecke zwischen Meidling und Mödling 
  • Radinfrastruktur über Donaubrücken

Für die Planung, Errichtung, Erhaltung und den Betrieb von Radwegen sind nach Ansicht des Landes Niederösterreich die Gemeinden zuständig. Das Land Niederösterreich unterstützt die Gemeinden dabei fachlich als auch finanziell.

Gleichzeitig fehlen derzeit konkrete Ausbauziele und ein verbindliches Modal Split-Ziel für den Radverkehr. Zudem wurden in Niederösterreich bislang keine Radschnellverbindungen umgesetzt (Quelle: LT-F 008/2026).

Um den Radverkehr nachhaltig zu stärken, braucht es daher neben einzelnen Projekten auch klare Ziele und eine langfristige Strategie für den Ausbau einer sicheren und durchgängigen Radinfrastruktur.

Landes-Radnetz-Konzept und Lückenanalyse

Es fehlt derzeit in Niederösterreich noch ein durchgängiges und flächendeckendes Radnetz. Für 190 niederösterreichische Gemeinden wurden bereits Radbasisnetze definiert.  Für die Gemeinden und das  Land NÖ besteht derzeit keine Verpflichtung, die definierten Radbasisnetze umzusetzen. Ein wichtiger Schritt wäre daher, bestehende Radinfrastruktur zu verbinden und Lücken im Netz systematisch zu erfassen und zu schließen. So kann ein sicheres und durchgängiges Wegenetz für Radfahrende geschaffen werden.

Zudem liegen keine landesweiten Daten zum aktuellen Umsetzungsgrad der Radbasisnetze vor. Damit bleibt offen, wie viele der geplanten Verbindungen bereits realisiert wurden und wo weiterhin wichtige Lücken bestehen.

Wir wissen von einigen regionalen Umsetzungen seitens der Gemeinden, so etwa aktuell in der Region Gmünd: https://www.radlobby.org/noe/gmuend-radbasisnetz-groszneusiedl-261001/ 

Budget für Radverkehrsinfrastruktur

Für die Errichtung von Radverkehrsanlagen wurden in Niederösterreich in den Jahren 2021 bis 2025 folgende Summen seitens Land Niederösterreich investiert: 

Budget 2021: 5,9 Mio. Euro

Budget 2022: 12,4 Mio. Euro

Budget 2023: 5,4 Mio. Euro

Budget 2024: 14,3 Mio. Euro

Budget 2025: 9,8 Mio. Euro

Budgetvoranschlag 2027: 3 Mio. Euro (veranschlagtes Straßenbaubudget: 330 Mio. Euro)

Budgetvoranschlag 2028: 3 Mio. Euro 

Seitens des Bundes waren bis dato für 2026 keine Budgetmittel für Radinfrastruktur verfügbar. 

Kürzungen bei aktiver Mobilität in Niederösterreich

Gemäß dem Budget-Voranschlag des Landes Niederösterreich für die Jahre 2027 und 2028 sollen für Radverkehrsinfrastruktur jährlich lediglich 3 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung stehen. Dies sind rechnerisch betrachtet für jede der 573 Gemeinden in NÖ etwa 5.000 Euro an Radinfrastruktur-Budget. Gerade angesichts des bestehenden Ausbaubedarfs an Radinfrastruktur, etwa auf stark befahrenen Landesstraßen, ist eine ausreichende Finanzierung der Radverkehrsinfrastruktur von großer Bedeutung. Auf stark befahrenen Landesstraßen fehlen weiterhin sichere Begleitwege für aktiv mobile Menschen.

Die Jahre, während die Radinfrastrukur nicht vom Fleck kommt, sind auch für die Verkehrssicherheit von Radfahrenden, Jahre des Stillstands.  

Forderungen der Radlobby

Als Radlobby NÖ fordern wir, dass auch in Zeiten von Sparbudgets bei der Sicherheit der Menschen, nicht gespart werden darf. Unser Appell an die zuständigen Politikerinnen und Politiker lautet, angesichts der knappen Mittel:

  1. Priorisierung der Ausgaben für Straßeninfrastruktur zugunsten der aktiven Mobilität,
  2. kostengünstige bauliche Maßnahmen, wie zum Beispiel baulich geschützte Radstreifen (“Leichtbauweise”) rasch umsetzen und
  3. Temporeduktion auf Landesstraßen, um ein gutes und sicheres Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden zu ermöglichen, als kostengünstige Sofort-Maßnahmen. 

 

Mit vereinten Kräften und dem politischen Willen, den Radverkehr sicher und attraktiv zu machen, kann man auch in finanziell schwierigen Zeiten Verbesserungen für Rad fahrende Kinder und Erwachsene in NÖ erreichen.

 Text: Alfred Pleyer

Radinfrastruktur ist eine Frage der Verkehrssicherheit