Weinviertler Kulturgut erfahren

Am Samstag, den 18. April 2026 haben 20 Teilnehmer*innen der Kellergassenradtour uriges Weinviertel im wahrsten Sinn des Wortes erfahren. Start war am Hauptplatz in Wolkersdorf.

Geführt vom Kellergassenführer Herbert Kraus und begleitet von Hermann Hiebner und Jana Friedlmayer von der Radlobby Wolkersdorf hat die Gruppe Kellergassen in Großebersdorf, Putzing und Eibesbrunn besucht.

Bei einem kurzen Stopp am Dampfross-Drahtesel-Radweg erzählte Herbert Kraus lustige Geschichten aus seiner Zeit als Eisenbahnbediensteter sowie über die letzten Jahre der Stammersdorfer Lokalbahn, die bis Dobermannsdorf führte.

Herbert Kraus hat die Besonderheiten der Weinviertler Keller und Presshäuser erklärt:

Dabei erfuhren die Teilnehmer*innen, dass die Kellergassen mit der Bauernbefreiung im 18. und 19. Jahrhundert  entstanden. Die Bauernbefreiung ist die mehr als hundert Jahre dauernde Ablösung der persönlichen Verpflichtungen der Bauern gegenüber ihren und Grund- und Leibherren. Typische Weinviertler Keller sind Presshäuser mit Kellerröhren. In den Presshäusern wurden die Trauben gepresst und dann in Holzfässern in den Kellerröhren gelagert. Die Presshäuser sind typischerweise patschokiert, das heißt mit einer Mischung von Kalk und Mörtel oder Lehm bestrichen und weiß gekalkt Dächer waren früher aus Stroh, später aus Tondachziegeln, wobei im Weinviertel die Wiener Tasche vorherrschend war. Sie hatten keine Dachrinnen. Einfache Bauern hatten nur eine Kellerröhre mit einer sogenannten Vorkappe. Sie ließen die Trauben bei anderen Bauern pressen und lagerten den Wein dann im eigenen Keller.

 

In Niederösterreich gibt es rund 1.300 Kellergassen, davon ca.1.000 alleine im Weinviertel. Für die nächste Kellergassenradtour bleiben somit noch einige übrig. 😉

In manchen Orten gab es mehr Keller als Häuser, weil in einem Bauernhaus meist mehrere Generationen lebten aber die einzelnen Familien eigene Keller besaßen.

Ein Herz für einen Keller

Hatten früher die meisten Bauern einen Keller, hat man für sie heute kaum noch Verwendung. Die verbliebenen Winzer keltern die Trauben und lagern die Weine aus praktischen und technischen Gründen, die eine hohe und gleichmäßige Weinqualität gewährleisten, in eigens dafür errichteten Kellerbetrieben. Daher werden die Keller kaum mehr für Ihren ursprünglichen Zweck gebraucht. Einzelne werden ihrem Schicksal überlassen. Doch zahlreiche Presshäuser wurden von Liebhabern gerettet, die ein Herz für die Weinviertler Kultur haben und die Keller möglichst originalgetreu renovieren und erhalten.

Davon konnten sich die Radler*innen überzeugen.

Bei einem Zwischenstopp in Großebersdorf gab es eine Erfrischung und am Ende der Tour wurden die Radler*innen von den Köllamaunan und – weiban mit köstlichen Aufstrichbroten und ausgezeichneten Weinen von Wolkersdorfer Winzern verwöhnt.

Kellergassenradtour rund um Wolkersdorf