Julian Unger zog 2018 nach Wolkersdorf, ist 19 Jahre alt und besucht die HTL in Mistelbach.

Mit 13 Jahren bekam er ein KTM-Rennrad, mit 15 folgte er dem letzten Radtrend und legte sich ein Gravelbike von Canyon zu. “Bald habe ich aber bemerkt, dass das nicht meins ist, weil es mir eigentlich um Distanzen und schnelles Vorankommen geht. Dafür ist ein Rennrad doch besser”, so Julian. Den Vollcarbonrahmen des Gravelbikes wollte er behalten. So ließ er darauf hochwertige Aerolaufräder montieren. Mit diesem nun doch deutlich schnelleren Rad begann Julian den Hunger zu stillen, längere Distanzen zu bewältigen.

Gespannt auf Neues

Auf die Frage, was die Motivation zum Rennradfahren ist, antwortet Julian spontan: “Weil ich neugierig bin, die Gegend im Weinviertel erkunden will, auf der Strecke wissen will, was kommt jetzt, was ist hinter der nächsten Kurve, nach der Waldpassage? Das finde ich lässig und spannend. Das taugt mir ganz einfach!”

Selbst bezeichnet sich Julian als “Coronaradler”, weil er sich in der Lockdownzeit mangels Beschäftigungsmöglichkeiten auf die Suche nach einem für ihn passenden Ausdauersport machte. Die Inspiration zum Rennradfahren kam von der Familie väterlicherseits.

Langdistanzen haben einen Reiz

Die Neugierde war im Weinviertel nicht zu stillen. Julian erweiterte den Aktionsradius und auch die Distanzen. Er sucht sich für ihn interessante Orte, fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin und radelt möglichst an einem Tag wieder zurück. Julian: “Manchmal geht sich die Anreise und die Rückfahrt an einem Tag aus. Wenn nicht, dann reise ich an einem Tag an, schau mir den Ort an und am nächsten Tag geht es wieder nach Hause.” So fuhr er schon Touren von Graz, Bad Radkersburg oder Pardubice in Tschechien mit Distanzen so um die 250 km an einem Tag nach Hause. Bei der Tourenplanung wählt Julian gut ausgebaute Radwege oder Straßen mit wenig Verkehr, Schotterwege scheiden beim Rennradeln selbstverständlich aus.

Neben dem großen Interesse für Landschaft und Leute ist es natürlich auch der sportliche Aspekt, der ihn für lange Distanzen anstachelt und die Frage, wieviel Kilometer man an einem Tag bewältigen kann. Er findet es faszinierend, sich mit Fahrrad und eigener Muskelkraft fortzubewegen und staunt selbst über die Distanzen, die man auf diese Art und Weise bewältigen kann.

Beim Radfahren geht mir das Herz auf

Julian wird bei seinen Erzählungen fast euphorisch: “Beim Radfahren geht mir das Herz auf. Es ist unbeschreiblich schön, Landschaften im wahrsten Sinn des Wortes zu erfahren und bei einem Stopp, einer Pause mit Leuten ins Gespräch zu kommen.” Er erzählt, dass ihm in der Region Steyer einmal das Wasser ausging und kein Supermarkt zu finden war. So sprach er jemanden in einem Ort an, ob er Wasser nachfüllen dürfe. “Ich bin gefragt worden, ob ich nicht auch ein Cola haben möchte. Da hab ich nicht nein gesagt. Das fand ich so nett.” Wenn er jetzt mit der Westbahn fährt, denkt er auf Höhe Steyer immer an dieses schöne Erlebnis. Und im Nachsatz meint Julian lächelnd: “Solche Begegnung und Erlebnisse hast du mit Tempo 130 auf der Autobahn sicher nicht.”

In einem Jahr macht Julian die Matura. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Studium, Zivildienst, Bundesheer oder Job? Was ihn dann erwartet und wieviel Zeit er für seine Leidenschaft erübrigen wird können, weiß er auch nicht. Darum überlegt er: “Für diesen Sommer möchte ich mir etwas Krasses vornehmen, eine noch weitere Distanz. Vielleicht fahre ich nach Salzburg!”

Mit dieser Freude am Radfahren und am Ausloten seiner Grenzen ist Julian zu Recht der Radfahrer des Frühjahrs!

Für sichere Radwege

Sein KTM-Rennrad verwendet Julian für Alltagswege im Ort. Beim Alltagsradeln sind ihm sichere Radwege ganz wichtig. “Da ist Wolkersdorf eh ganz gut”, so Julian. Was ihn aber schon sehr stört, ist, dass der Streusplitt im Frühjahr so lange auf den Straßen und Radwegen liegen bleibt. Julian: “Streusplitt ist echt gefährlich, ganz besonders in Kurven, außerdem bremst er merkbar. Ich würde mir wünschen, dass der Splitt im Frühjahr schon etwas früher entfernt wird.” Diesen Wunsch kennt die Radlobby auch von anderen Radfahrerinnen und Radfahrern und wird ihn an die Stadtgemeinde weitergeben.

Die Stadtgemeinde und die Radlobby wünschen Julian noch viele schöne, lange, erlebnisreiche und vor allem unfallfreie Touren!

Julian hat von der Stadtgemeinde das Buch über “TUT -GUT” – Wanderwege in Wolkersdorf und von der Radlobby das Buch Österreich fährt Rad und die aktuelle Ausgabe der Mitgliedszeitschrift Drahtesel erhalten.

 

Wie weit kommt man mit einem Fahrrad und der eigenen Muskelkraft?
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