Wir begrüßen und unterstützen das Bestreben der Stadt, die Bodenversiegelung im Stadtgebiet aus ökologischen Gründen zu reduzieren! Dieses Bestreben ist auch der Hintergrund, warum in letzter Zeit einige Rad- und Gehwege in der Stadt, wie z.B. im Eva Eigner Park in ungebundener Bauweise umgesetzt wurden.
Die Witterungsverhältnisse der vergangenen Tage machen jedoch ein Problem dieser Herangehensweise deutlich. Auf den beiden Bilder sieht man Situation im Eva Eigner Park in den frühen Morgenstunden des 14. Jänners, also am Tag nach dem großen Glatteis.
Da die Wege aufgrund der Oberflächenbeschaffenheit nicht vollständig geräumt werden können, sind sie nur eingeschränkt und teilweise unsicher nutzbar. Das stellt für viele Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende ein Problem im Alltag dar. Bei ungünstigen Wetterlagen kann diese Situation zudem über einen längeren Zeitraum andauern. Eine Sperre ist zwecks fehlender Alternativrouten im obigen Beispiel auch nicht möglich.
Es fragt sich, ob es nicht sinnvoller wäre, anstelle der vergleichsweise überschaubaren Flächen neu asphaltierter Hauptradrouten verstärkt die Entsiegelung von Parkplatzflächen in Wiener Neustadt vorantreiben sollte? Zusätzlich bedarf es einer laufende Instandhaltung unversiegelter Wege, um eine zufriedenstellende Oberflächenbeschaffenheit für die Nutzer zu gewährleisten. Das bindet nicht unerhebliche personelle und finanzielle Ressourcen.
Eine Untersuchung aus Deutschland widerlegt außerdem die gängige Annahme, dass Radwege eine negative Versiegelungswirkung auf den Boden haben. Insbesondere unter gebundenen Radwegbefestigungen konnte keine negative Veränderung des Wasserhaushaltes festgestellt werden. (https://www.klimaaktivmobil.at/fachpersonen/mobilitaet/studien/gutachten-bodenverhaeltnisse-unter-radwegen)
Zu guter Letzt ist festzuhalten, dass Maßnahmen zur Reduktion von Bodenversiegelung nicht einseitig zulasten einzelner Verkehrsteilnehmergruppen erfolgen dürfen. Aus Sicht der Radlobby ist es nicht sachgerecht, vergleichsweise geringfügige Versiegelungseffekte von Radinfrastruktur als Erfolg gegen Bodenversiegelung zu vermarkten, während gleichzeitig im selben Zeitraum in unmittelbarer Umgebung für den motorisierten Individualverkehr ein Vielfaches an hochwertigem Ackerboden und Auwälder versiegelt werden.
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rgänzung 22.1.:
Dankenswerterweise konnte der Weg durch den Eva Eigner Park mit ein paar Tagen Verspätung geräumt werden.
