Die Radlobby stellt sich bei den Mitgliedern des Gemeinderats vor, mit einigen Anregungen

Mistelbach, 29. Januar 2017

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates

(mit der Bitte auch um Weiterleitung an involvierte Mitarbeiter der Gemeinde!)

Zuerst einmal darf ich mich vorstellen. Mein Name ist Dr. Hans G. Feichtinger. Ich wohne seit 20 Jahren in der Winzerschulgasse 96, hier in Mistelbach, mit meiner Familie (beide Kinder studieren in Wien). Ich war/bin beruflich angewandter Mathematiker an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien und befinde mich seit Dez. 2015 im Ruhestand, bin aber weiterhin international lehrend und forschend tätig, zuletzt im Radfahrerparadies Kopenhagen. Seit dem Vorjahr darf ich die Radlobby Niederösterreich als Sprecher für Mistelbach bzw. im Prinzip für das nördliche Weinviertel vertreten. Durch diese Tätigkeit möchte ich dazu beitragen, dass radbezogene Problemlagen in der Gemeinde mehr Beachtung finden. In manchen Fällen werde ich sicherlich konkrete Vorschläge einbringen bzw. die Position der aktiven RadfahrerInnen in der Gemeinde (eine beträchtliche Zahl von Personen) vertreten, in anderen nur auf leicht zu übersehende Gefahrenstellen oder fehlende Beschilderung hinweisen, wie ich das schon teilweise in der Vergangenheit getan habe. Etliche Interessenten haben im letzten halben Jahr schon Kontakt mit mir aufgenommen.

Die Homepage der Radlobby NOE https://www.radlobby.at/niederoesterreich sagt in der Überschrift:

Wir setzen uns als gemeinnütziger, überparteilicher Verein in Niederösterreich für die Förderung des umweltfreundlichen Verkehrsmittels Fahrrad ein.
Als systematisch denkender Mensch habe ich versucht, die Lage der Radfahrer in Mistelbach aufgrund eigener Erfahrungen, mittlerweile aber auf aufgrund zahlreicher Gespräche mit vielen radfahrenden Menschen in Mistelbach, zu beurteilen, und würde die Stoßrichtungen wie folgt beschreiben:

  1. Alltagsradverkehr (im Bewußtsein der meisten Menschen weniger verankert)  [A]
  2. Verbindungswege zu den Nachbargemeinden [N]
  3. Erholungssport, Freizeit, Familien-Aktivitäten   [F]
  4. Touristen, Gäste, Besucher aus Wien und Umgebung  [T]

Von den erwünschten oder zu treffenden Maßnahmen ausgehend gliedere ich meine weiter unten ausgeführten Vorschläge in dringende und langfristige, in leicht zu realisierende und komplizierte bzw. kostenaufwändige. Es gibt ja schon viele Vorarbeiten, Konzepte für den Radverkehr und Studien, aber es wurde bisher leider zuwenig umgesetzt. Selbst Maßnahmen, die geringe Kosten verursachen werden immer wieder aufgeschoben.

Generell möchte ich meine Ausführungen damit beginnen, dass meiner Einschätzung nach die Lage für den Radverkehr vermutlich objektiv gesehen besser ist als von den meisten Befragten geäußert, andererseits aufgrund diverser, manchmal nur kleiner Mängel oder fehlender Initiativen aber leider auch weit schlechter als sie leicht sein könnten. Mit anderen Worten: es gibt großes Potential für wesentliche Verbesserungen, gerade jetzt nach der Fertigstellung der Umfahrung von Mistelbach und den Umstellungen im Bereich des Hauptplatzes. Es gibt ja auch schon ein relativ umfangreiches Radnetz, dem allerdings wichtige Brückenverbindungen fehlen, und das in den letzten Jahren seit seiner Erstellung nur in sehr geringem Umfang wirksam geworden ist.

Gerade die derzeit stattfindende Expansion Mistelbachs (vor allem in Richtung Siebenhirten) bringt viele junge Familie mit sich, für die eine sichere (auch kindersichere) Anbindung an die wichtigsten Orte (Schule, Bahnhof, Einkaufsmöglichkeiten) wichtig sein wird. Stadtplanung sollte somit auch sichere Verkehrswege, auch für Radfahrer, beinhalten. Es ist nicht notwendig, dass jede Jungfamilie die finanziellen Lasten eines Zweitautos tragen muss, um den Alltag ohne Strapazen bewältigen zu können.

  1. A) [A] Ein neuralgischer, aber auch sehr wichtiger Punkt, ist er Hauptplatz. Derzeit ist der Hauptplatz nur unter Missachtung von Verkehrsregeln oder eigene Gefährdung (durch Benutzung der Hauptstraße) befahrbar, obwohl natürlich Radfahrer gute Kunden für die Geschäfte am Hauptplatz sind und für das Abstellen ihres Fahrzeuges wesentlich weniger Platz brauchen als Autos. Die technischen Fragen sind wohl separat mit den Verantwortlichen zu klären, aber ich möchte als erstes hier deponieren, das eine Befahrbarkeit des Hauptplatzes unbedingt relativ rasch hergestellt werden sollte. Vom Rathaus Richtung Marktgasse wäre das sofort möglich, wenn man diese Strecke für eine gemischte Nutzung (vermutlich einfach mit einem Radfahrersymbol in der Straßenmitte) kennzeichnen würde. In die umgekehrte Richtung wäre es unbedingt wichtig, die Lücke zwischen der Abfahrt vom Bahnhof und dem Hauptplatz für den Radverkehr (gegen die aktuelle Einbahnrichtung, nur für Radfahrer) und dann auf der zweiten Reihe des Hauptplatzes bis zur neuen Ausfahrt (in Planung) gegenüber der Kirchengasse, von wo aus man gut zur Grünen Straße kommt.
  2. B) [A] Sie NMS (neue Mittelschule) bzw. Café Harlekin sind derzeit sehr schlecht mit der Grünen Straße verbunden. Die Fertigstellung es großen Wohnblocks gegenüber der Post/der Evangelischen Kirche sollte unbedingt dazu genützt werden um in der Mitscha-Straße ein kurzes Stück Radweg zu errichten, das bis zur evangelischen Kirche hinführt. Das wäre eine große Erleichterung für viele Schüler der NMS bzw. auch für Familien die im Sommer beim Cafe Harlekin ein Eis holen wollen, aber auch in die umgekehrte Richtung ein Beitrag zur Verbindung vom Bahnhof in Richtung Landesklinikum und M-City. Teil der Verbindung wäre die Fitzka-Gasse, die im Normalfall ohnehin wenig befahren ist und auch ohne Kennzeichnung als Radweg von Radfahrern sicher genutzt werden kann.
  3. C) [A] Ein großer Problembereich ist die Anbindung des Fachmarkzentrums bzw. von HOFER (bestehend) oder vom EKZ INTERSPAR an die Stadt. Der Radweg in der Josef Dunkl-Straße endet leider gleich beim Michael Jackson-Denkmal und sollte unbedingt in Richtung Stadt verlängert werden (via Mozartgasse). Das war/ist zwar ohnehin geplant, sollte aber nochmals in Erinnerung gerufen werden. Da dies keine umfangreichen Maßnahmen erfordert, sollte sich das leicht realisieren lassen. Am anderen Ende des Radwegs (Richtung EKZ INTERSPAR) haben wir eine komplizierte Situation, vor allem im Bereich des Bahnüberganges. Die Neugestaltung des Parkplatzes vor dem INTERSPAR sowie der Kreisverkehr mit Anbindung Richtung Hüttendorf bedarf eine separaten Diskussion. Die Aktivierung des Gartenweges als Radzufahrt könnte einen Teil der Problematik erleichtern. Nach Fertigstellung des Neubaus des EKZ INTERSPAR (nun gibt es keine Bäume mehr am Parkplatz) wäre eine Neuausschilderung wichtig…
  4. D) [A] Nicht ganz so einfach ist die Anbindung des Fachmarktzentrums (KIKA, HOFER, Burger-King) an den Radweg in der Josef Dunkl-Straße bzw. auf der anderen Seite, d.h. Richtung Radweg Zayatal (Richtung Paasdorf). Dies ist eine viel-befahrene Straße, auf der aber nur sehr wenig Fußgänger unterwegs sind. Es wäre daher naheliegend zu überlegen, ob der Gehweg auf der KIKA-Seite (vorbei beim Autohaus Wiesinger, etc.) nicht in einen gemischten Rad-Gehweg umgewidmet werden könnte. Das erfordert wenig Aufwand und gibt nur der aus der Not oft geübten Praxis von vorsichtigen Radfahrern eine juristische Basis.
  5. E) [A] Die Anbindung der neuen Siedlungen (Sonnensiedlung etc.) und des künftigen Bereiches Mistelbach NORD an die bestehende, sehr wichtige Achse „Grüne Straße“ im Bereich Triftweg (ebenso wie die Schließung der letzten Lücke Richtung Siebenhirten) ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Auch jungen Eltern mit Kindern muss es möglich sein, sicher die Grüne Straße und von dort aus wichtige Ziele in der Stadt (Hauptplatz, Schule, Weinlandbad, etc.) sicher zu erreichen!
  6. F) [A] Eine weiterführende Idee von größerem Umfang zur Anbindung des Bereiches EKZ INTERSPAR (aber auch Hüttendorf) wäre die Gestaltung er Ernstbrunnerstraße (südlich vom alten Bahnhof, vom Reifenhändler Wittman hin zum Sportplatz, vorbei an der LOK IN-Zentrale) als Radverbindung. Schon jetzt ist das durchaus befahrbar (außer bei Regen), weit abseits der Josef Dunkl-Straße und daher viel sicherer, aber wohl ein Projekt für die Zukunft. Die Frage der Eigentumsverhältnisse in diesem Bereich ist mir derzeit leider noch unklar.
  7. G) [A] Ich vermute, dass es im Bereich des neuen Krankenhauses, M-City, Ebendorf, Zayatal-Weg (im Bereich Autohaus Wieland), wo es im Herbst Asphaltierungsarbeiten gab, noch weitere Schritte seitens der Gemeinde zur Verbesserung der Querungsmöglichkeiten geben wird, ebenfalls natürlich im Laufe der Zeit eine bessere Anbindung der M-City an das Stadtzentrum per Rad. Aber hier gibt es im Moment weniger Gefahrenzonen als vielmehr holprige Abschnitte. Es ist zu sehen/beobachten, welche Auswirkungen die Baumaßnahmen (hoffentlich positive) im Bereich der Autobahn für die Anbindung der Nachbargemeinden Wilfersdorf bzw. Eibesthal (eben nicht über den Berg, sondern via M-City per Rad) haben werden. Auch der Radweg von Stadt in Richtung M-City sollte bald realisiert und befestigt werden. Die M-City sollte nicht nur den Autofahrern „nahegebracht“ werden!
  8. H) [N] Was die Nachbargemeinden betrifft, bewegt sich ja wohl im Laufe des Jahres 2017 einiges, etwa in Richtung Wilfersdorf und Eibesthal, wegen der Autobahn. Aber auch die Verbindungen von Ladendorf, die Radwege nach Siebenhirten und darüber hinaus nach Hörersdorf, die ja nicht nur dem Freizeitradfahren dienen, sollten nicht ganz vergessen werden. Jugendliche kommen hoffentlich im Sommer mit dem Rad ins Mistelbacher Freibad, etc.
  9. J) [T] Wenn man in diesem Sommer mit dem Rad in der Stadt unterwegs war (vielleicht auch mit dem Auto oder zu Fuß) konnte man immer wieder Gruppen von Radtouristen sehen, die manchmal auf vielbefahrenen Straßen (mangels richtiger Beschilderungen oder falscher Anweisungen ihrer GPS-basierten Geräte) unterwegs waren, obwohl es parallel dazu bessere Möglichkeiten gäbe. Vermutlich könnten stellenweise weitere Hinweistafeln am Ortsrand oder an neuralgischen Punkten helfen.
  10. K) [T] Im Moment bestehen KEINE Möglichkeiten im Raum Mistelbach Räder auszuborgen, und zwar weder in der Stadt noch in der näheren Umgebung. Die Kooperation mit NEXTBIKE ist leider (aus vielleicht verständlichen, finanzielle Gründen) eingestellt worden, aber auch andere Möglichkeiten privater Initiativen (Hotels, etc.) sind wieder beendet worden, vor allem aus Mangel an Nachfrage. Angesichts der Tatsache, dass Mistelbach gut per Bahn erreichbar ist (im Gegensatz zu Poysdorf etwa, wo eine Anfahrt nur per Bus oder Auto möglich ist) und der geographischen Gegebenheiten, wäre Mistelbach ja ein idealer Ausgangspunkt für Radtouren, insbesondere mit E-Bikes. Vielleicht fehlt es an Werbung, an organisatorischem Hintergrund, was auch immer. Die Radlobby wird sich bemühen, in diesem Bereich konkrete Initiativen zu setzen, Radbegeisterte (vorerst mit eigenem Rad) vielleicht nach Mistelbach zu bringen, zum Nutzen der lokalen Gastronomie. Anregungen/Hinweise und auch Hilfestellungen seitens der Gemeinde sind hier sicher auch sehr hilfreich.
  11. L) [A] Im Abschnitt der Grünen Straße (zwischen der Bäckerei Heindl und der Volksbank) sollte anstelle der VERPFLICHTENDEN Tafel die rechteckige Version verwendet werden, denn schnelle Radfahrer, oder in Situation, in denen Familien mit Kindern auf dem Gehsteig unterwegs sind, ist es besser, wenn die Radfahrer gemeinsam mit den Autos, die ja dort ohnehin nicht schnell fahren können/sollten, sich auf der Straße bewegen. Auch die aus dem Neubau herauskommenden Personen werden eher von Radfahrern gefährdet, die auf dem Gehsteig fahren (müssen), als wenn diese auf der Straße fahren. Vermutlich gab es zum Zeitpunkt der Errichtung diese Variante noch nicht! Ebenso sind diese Tafeln gar nicht sichtbar wenn man einerseits vom Penny-Markt oder vom Kino in die Grüne Straße einfährt. Also auf jeden Fall eine (unnötige) Problemlage. Daher bitte diese Art von Tafeln, zwischen Volksbank und Bäckerei Heindl:
  • 53/28: „Geh- und Radweg ohne Benützungspflicht“

Zeigt den Beginn eines Geh- und Radweges ohne Benützungspflicht an.

  1. M) [A] Die Lücke im Bereich Bahnhof – Gasthof Pollak ist schmerzhaft für Radfahrer, die etwa vom Lagerhaus in Richtung Hauptplatz fahren wollen. Sollen Sie schieben? Dürfen Sie auf der Bahnseite auf dem Bahnsteig fahren? Nein! Das betrifft unter anderem alle Radfahrer, die von der Stadtseite kommen und ihr Rad auf dem großen Radabstellplatz auf der Lagerhausseite abstellen (ca. 20-30 Räder im Sommer). Der Radabstellplatz auf der anderen Seite des Bahnhofs ist zu klein für alle. Auch die Möglichkeit, durch die Unterführung bei der Volksschule fahrend die sogenannte (nicht ausgeschilderte) Quergasse Richtung Bahnstraße gegen die wenig befahrene Einbahnstraße zu fahren, wurde als Wunsch an mich herangetragen.
  2. N) [A]  Im gesamten Bereich der Stadt gibt es immer wieder unangenehme „harte“ oder „steile“ Rampen, die völlig unnötig sind und mit eine wenig Asphalt leicht verbesserbar wären. Wir werden im Lauf der Zeit eine konkrete Wunschliste zu dem Thema formulieren, aber es ist sicher wünschenswert, dass schon in nächster Zeit bei Neubauten darauf Rücksicht genommen wird. Teilweise fehlen solche Rampen auch einfach noch (etwa beim BILLA, Triftweg, Querung).
  3. O) [T] Die Stelle für Radtourismus der Weinviertel Tourismus GmbH in Poysdorf wurde zwar neu ausgeschrieben, ist aber noch immer nicht besetzt worden. Eine Kooperation mit diesem „Player“ im Bereich Radfahren/Radtourismus ist auf jeden Fall schon auf Schiene, auch wenn im Moment keine Aktivitäten (etwa in Richtung Anlegen neuer Radwege, wie etwa: „Wir umradeln Mistelbach“) im Gange sind. Klarerweise sind solche Pläne mit der Gemeinde abzustimmen. Seit Herbst war die Stelle der Radverantwortlichen vorübergehend verwaist.

Ich darf zum Abschluss anmerken, dass ich bereits seit einigen Monaten durch Kontakte mit Mag. M. Schönmann viele Informationen ausgetauscht habe. Insbesondere hat er jeweils sehr rasch auf fehlende oder veraltete Informationen (betreffend Radfahren in Mistelbach) auf der Homepage der Gemeinde reagiert, sodass über diesen Kanal eine gute Kommunikationsmöglichkeit zwischen Radlobby und der Gemeinde möglich erscheint, die eine Aufbereitung von allseits erwünschten positiven Maßnahmen in der Zukunft sicherlich erleichtern wird.

Die Radlobby ist jedenfalls gesprächsbereit, dankbar für Hinweise und insbesondere Umsetzung von Vorschlägen, so wie es eben möglich ist. Wir werden weiterhin beobachten, wie sich die Lage in der Gemeinde (hoffentlich) weiter verbessert und werden auch neue Vorschläge machen. Noch im Februar planen wir ein Treffen von Interessenten (eine wachsende Gruppe von Alltagsradfahrern) und im März planen wir eine Informationsveranstaltung, die auf der Homepage der Radlobby Gruppe Mistelbach (im Aufbau) und im Mistelbach-Newsletter der Gemeinde angekündigt werden wird.

Mit besten Grüßen, HGFei (Hans G. Feichtinger e.h.)

 

Hans G. Feichtinger
Gruppenverantwortlicher
Radlobby Mistelbach
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Radlobby Mistelbach Winzerschulgasse 96
2130 Mistelbach
0664 817 4942
mistelbach@radlobby.at
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Die Radlobby Mistelbach ist eine Gruppe des
Vereines Radlobby Niederösterreich
ZVR 853797691 · DVR 4007417
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LINKS: https://www.radlobby.at/niederoesterreich
https://www.radlobby.at/radlobby-newsletter-abonnieren
https://www.radlobby.at/wolkersdorf
https://www.radlobby.at/mistelbach (erst im Aufbau begriffen)

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Schreiben an die Mitglieder des Gemeinderates von Mistelbach