Am 13. Februar 2020 überreichte Gerald Teschl, Initiator der Petition für Radwege zum Klosterneuburger Gymnasium, gemeinsam mit VertreterInnen der Radlobby Klosterneuburg 444 Unterschriften an Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager. Dieser äußerte zwar prinzipielles Verständnis, kam den RadfahrerInnen jedoch keinen Millimeter entgegen.

Die von Gerald Teschl, Vater zweier Gymnasiasten, im vergangenen Herbst gestartete Petition fordert die Errichtung von Schutzwegen vor dem Gymnasium sowie Radstreifen gegen die Einbahn in der Gadesgasse und der Medekstraße. Teschl: „Radfahren ist wichtig für Kinder und Jugendliche. Es fördert die Gesundheit, macht müde Kinder munter, gibt den Kindern Freiheit. Dabei muss aber die Sicherheit unserer Kinder oberste Priorität haben. In diesem Zusammenhang sind die Elterntaxis ein großes Problem. Das hat mir auch Frau Direktor Hemma Poledna bestätigt, die an einer guten Lösung sehr interessiert ist. Die Zufahrtsstraßen sind in der Früh komplett überlastet.“

Angst um Parkplätze statt um SchülerInnen

Bürgermeister Schmuckenschlager zeigte Verständnis für das Problem, kann sich bauliche Maßnahmen jedoch nicht vorstellen, weil dadurch möglicherweise Parkplätze verloren gingen. Auch Teschls Vorschlag, nach Wiener Vorbild Fahrverbote von 7.45 bis 8.15 Uhr einzuführen, konnte er nichts abgewinnen – nicht einmal versuchsweise.

Radlobby-Sprecher Werner Palfinger sieht ein grundlegendes Problem: „Das im Vorjahr beschlossene Stadtentwicklungskonzept (STEK 2030+) sieht eine aktive Steigerung des nachhaltigen Verkehrs – zu Fuß, per Rad, öffentlicher Verkehr – auf 55 Prozent bis 2030 vor, unter anderem durch den raschen Ausbau der Radwege. Die Gemeinde hat sich hier also viel vorgenommen, jetzt müssen aber Taten folgen. Natürlich ist es besonders wichtig, bei den Kindern anzufangen. Wir wissen von anderen europäischen Städten, dass eine deutliche Steigerung des Radverkehrsanteils in wenigen Jahren machbar ist, aber nur, wenn intensiv in hochwertige Radwege investiert wird. Als Richtwert geben Experten 30 Euro pro Jahr und Einwohner an.“ Klosterneuburg investiert heuer aber nur rund zwei Euro pro Einwohner.

Zuerst die Gebäude, dann die Mobilität?

„Wir nehmen das STEK sehr ernst und wollen diese Ziele wirklich erreichen“, behauptete Schmuckenschlager gegenüber der Radlobby. Derzeit konzentriere man sich aber auf den Gebäudesektor. Erst danach wolle sich Schmuckenschlager der Verkehrsproblematik annehmen. Die Höhe des Radwegbudgets sei für ihn nicht wichtig. „Schließlich haben wir ein Straßenbaubudget und die Radfahrer dürfen ja auch die normalen Straßen benützen.“ Vielleicht löse sich das Problem auch von selbst, wenn die AutofahrerInnen irgendwann keine Parkplätze mehr fänden.

Für die Radlobby sind diese Antworten unzureichend. „In Zeiten des Klimawandels ist nicht Zögern, sondern eine mutige zukunftsweisende Verkehrspolitik angebracht“, sagt Teschl. „Das sind wir unseren Kindern schuldig.“

Verkehrsprobleme lösen sich nicht von selbst, Herr Bürgermeister!

36 Jahre wird nun über ein Radwegenetz in Klosterneuburg diskutiert. Statt eines Netzes gibt es bis heute jedoch bestenfalls Flickwerk.

  • 1984 brachte die Fraktion Sozialistischer Gemeinderäte eine dringliche Anfrage zum Thema ,,Radwegenetz im Gemeindegebiet Klosterneuburg“ ein.
  • 1986 wurde in einer Stadtratssitzung der „Vorrang für Radfahrer, Fußgänger und öffentlichen Verkehr“ beschlossen. Die Planungsarbeiten von Univ. Prof. Hermann Knoflacher und der IG Rad waren nahezu abgeschlossen.
  • 1989 bat Bürgermeister Gottfried Schuh Umweltgemeinderat Helmut Abheiter, die Arbeiten für ein „modernes Klosterneuburger Radroutennetz“ aufzunehmen.
  • 1999 wurde ein Dringlichkeitsantrag der Bürgerunion zur Erstellung eines Klosterneuburger Radverkehrskonzepts inklusive Donau-, Kierling-, und Weidlingtal einstimmig angenommen.
  • Im Jahr 2010 plakatierte das Team Schmuckenschlager „Lückenloser Radweg durchs Kierlingtal“
  • 2019 beschließt die Stadt im STEK 2030+ erneut die Förderung nachhaltiger Mobilität.
  • 2020 klafft noch immer eine gefährliche Lücke in der Kierlingtal-Radroute (Bereich Stollhof). Und nicht nur dort. Hauptplatz, Rathausplatz und die Ortskerne von Weidling, Kierling und Kritzendorf sind mit dem Rad nur im Mischverkehr erreichbar. Auf dem Großteil dieser Straßen gilt Tempo 50, das selten eingehalten wird. Die Mängelliste bei bestehenden Radverkehrsanlagen ist lang.
Positive Seiten des Klimawandels?

Laut wird es bei der sonst entspannt laufenden Diskussion, als Schmuckenschlager – auf den Klimawandel angesprochen – meint: Die Erderwärmung könne auch positiv sein. Zum Beispiel hätten die Feinstaubwerte abgenommen. Und auch die Radfahrer müssten im Winter weniger frieren.

 

Foto: © Bezirksblätter Niederösterreich

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Klosterneuburg | Bürgermeister: „Radfahrer dürfen ja auch die Straße benützen“
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